Louis Soutter (1871-1942), Lasse-tête/Les caillots/Dernières perles, ca. 1937-42 Fingermalerei mit Öl auf Papier, 44 x 58 cm (Detail)

Körper – Geste – Raum
Werke aus der Hilti Art Foundation

Abbildende Darstellungen des Körpers, des menschlichen wie des tierischen, gehen in sowohl naturalistischer als auch stilisierter Weise weit in die Geschichte des Homo sapiens zurück. Dabei setzte der frühe Mensch skulpturale, zeichnerische und malerische Mittel ein. Fortan hat sich der Körper des Menschen in der bildenden Kunst als dauerhafte Konstante existenzieller Selbstbetrachtung, Selbstvergewisserung und Selbstorientierung erwiesen.

Die Darstellung des menschlichen Körpers ist zugleich eine Darstellung menschlicher Gesten. In den traditionellen Gattungen der bildenden Kunst ersetzen sie die mündliche Sprache. Dabei wechselt das Motivrepertoire der Körpersprache mit den jeweiligen Epochen und Themen. Wo immer gezielte Gesten und Gebärden in Malerei oder Skulptur in Erscheinung treten, dienen sie nicht nur der non-verbalen Kommunikation. Darüber hinaus verbinden sie den Körper aktiv und organisch mit dem Raum.

Tatsächlich geht die Darstellung des Körpers und seiner Gesten nicht von Beginn an mit der Darstellung des Raumes einher. Dessen «Eroberung» erfolgt erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt. Der Weg von der Bild-Fläche zum Bild-Raum, zur illusionistischen Perspektive, setzt technische Fertigkeiten voraus und auch ein anderes geistiges Verhältnis des Menschen zur Welt. Zwar wird der Körper früh schon nicht nur als Umriss oder Fläche, sondern auch als plastische Form begriffen, doch spät erst in Zusammenhang mit dem empirischen, dem sinnlich erfahrenen Natur- oder Tiefenraum. 

Die abbildende Darstellung der sichtbaren Welt erfährt seit Ende des 19. Jahrhunderts, also mit dem Beginn der klassischen Moderne, aufgrund neuer Ausdrucksbedürfnisse eine wesentliche Veränderung. Expressionismus, Kubismus oder Futurismus geben Körper und Raum nicht mehr illusionistisch wieder, sondern unter dem Eindruck einer durch Wissenschaft und Technik radikal veränderten Welt nurmehr in stilisierter sowie in zeichen- oder formelhafter Weise. Dabei lässt sich eine zunehmende Konkretisierung der künstlerischen Gestaltungsmittel erkennen, d.h. die Emanzipation des Materials und der Farbe von ihrer abbildenden und somit dienenden Funktion.

Der Prozess der Emanzipierung und Konkretisierung der Gestaltungsmittel führt in der Kunst nach 1950 zu völlig neuen Werkformen. Die wachsende Komplexität wissenschaftlicher sowie die Krisenhaftigkeit ideologischer Weltbilder fördert den unmittelbaren Umgang mit empirischen Fakten wie Material, Fläche, Farbe, Licht, Raum, Zeit oder Schwerkraft. Alles wird von Grund auf hinterfragt und einer Neubewertung unterzogen – auch der als Werkmaterial benutzte menschliche Körper selbst mit bisweilen grenzüberschreitender physischer Radikalität.

Die Ausstellung wird kuratiert von Uwe Wieczorek, Kurator der Hilti Art Foundation.

Besucherheft der Ausstellung (PDF)

Ausstellung

Hilti Art Foundation
im Kunstmuseum Liechtenstein
Städtle 32, Postfach 370
9490 Vaduz, Liechtenstein
Google Map

T +423 235 03 00
F +423 235 03 29
mail@kunstmuseum.li
www.kunstmuseum.li

Öffnungszeiten

Di-So: 10-17 Uhr
Do: 10-20 Uhr
Feiertage
Führungen


Eintrittspreise

Kinder/Jugendliche bis
16 Jahre: gratis
Regulär: CHF 15.–
Ermässigt: CHF 10.–

Sammlung/Leihanfragen

Hilti Art Foundation
Uwe Wieczorek, Kurator
Feldkircherstrasse 100
9494 Schaan
Fürstentum Liechtenstein
uwe.wieczorek@hilti.com
info@hiltiartfoundation.li



Medien

media@hiltiartfoundation.li
Pressedossier

Weitere Besucherinformationen
finden Sie auf kunstmuseum.li

Herausgeber
Hilti Art Foundation


Copyright Inhalte
© Hilti Art Foundation


Copyright Abbildungen
© Callum Innes
© Thomas Struth
© 2021, ProLitteris, Zürich für die Werke von:
Alexander Archipenko
Karol Broniatowski
Yves Tanguy
Germaine Richier
Leiko Ikemura
Alle Urheberrechte bleiben vorbehalten. Sämtliche Reproduktionen sowie jegliche anderen Nutzungen ohne Genehmigung durch ProLitteris – mit Ausnahme des individuellen und privaten Abrufens der Werke – sind verboten.

 

Konzept und Projektleitung
Brigitte Lampert und Hanna Züllig

Corporate Identity
Brigitte Lampert

Webdesign
Brigitte Lampert und Hanna Züllig

Webentwicklung
Hanna Züllig und Dominik Stucky

Texte
Dr. Uwe Wieczorek
Morger + Dettli Architekten AG


Fotografie
Roland Bauer
Barbara Bühler
Anne Gabriel-Jürgens
Valentin Jeck
Heinz Preute 
Roland Tännler

Video
Sebastian Frommelt

Übersetzung
Julia Thorson